01 — Ausgangslage

Drei Werkshallen, 58 Unterverteilungen und laufende Produktion

Der Prüfauftrag betraf einen Großindustriebetrieb in Regensburg mit drei Werkshallen und laufendem Schichtbetrieb. Zum vereinbarten Prüfbestand gehörten 58 Unterverteilungen unterschiedlicher Anlagenbereiche.

Für die Planung war deshalb nicht allein die Zahl der Verteilungen entscheidend. Ebenso wichtig waren Zugänglichkeit, Betriebszustand, vorhandene Unterlagen und die Frage, welche Anlagenbereiche zu welchem Zeitpunkt freigeschaltet werden konnten.

Gemeinsam mit den betrieblichen Ansprechpartnern wurden Prüfbereiche und Zeitfenster so geordnet, dass notwendige Eingriffe planbar wurden. Das Ziel war nicht, erforderliche Prüfschritte zugunsten der Produktion wegzulassen, sondern den Prüfablauf auf den tatsächlichen Anlagenbetrieb abzustimmen.

Wie EMB solche Anlagenprüfungen grundsätzlich plant, erklären wir unter Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen.

02 — Herausforderung

Prüfen im Schichtbetrieb heißt: Prüfumfang und Betriebszustand sauber aufeinander abstimmen

Bei wiederkehrenden Prüfungen elektrischer Anlagen lässt sich nicht jeder Prüfschritt in jedem Betriebszustand durchführen. Die DGUV Information 203-072 weist ausdrücklich darauf hin, dass Prüfungen zum Beispiel wegen möglicher Produktionsstillstände nicht immer in vollem Umfang zum vorgesehenen Zeitpunkt ausgeführt werden können.

In solchen Fällen werden das weitere Vorgehen, mögliche Ersatzprüfungen und noch durchzuführende Teilprüfungen mit dem Anlagenbetreiber abgestimmt und dokumentiert.

Genau diese Planung war bei diesem Projekt entscheidend: Für jede Verteilung wurde eingeordnet, welche Prüfschritte unter den vorhandenen Betriebsbedingungen möglich waren und welche Prüfschritte ein geeignetes Abschaltfenster benötigten.

41 Verteilungen

Prüfung während des laufenden Schichtbetriebs

Die Prüfschritte, die unter den jeweiligen Betriebsbedingungen sicher und fachlich sinnvoll durchgeführt werden konnten, wurden in den abgestimmten Zeitfenstern während des laufenden Betriebs erledigt. Notwendige Einschränkungen wurden nicht verschwiegen, sondern bei der Prüfplanung berücksichtigt und dokumentiert.

17 Verteilungen

Prüfschritte in der Wochenend-Betriebsruhe

Für Verteilungen beziehungsweise Prüfschritte, die eine Freischaltung erforderten, wurde ein geplantes Wochenendfenster genutzt. Dadurch konnten die notwendigen Arbeiten durchgeführt werden, ohne einen ungeplanten Stillstand in den laufenden Produktionsschichten auszulösen.

Fachliche Grundlage: DGUV Information 203-072 – Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen und ortsfester Betriebsmittel.

03 — Ablauf

Neun Werktage – vom Anlagenbestand bis zur Dokumentationsübergabe

  1. 1
    Tag 1 — Bestandsaufnahme und Unterlagenabgleich

    Die 58 Unterverteilungen wurden eindeutig dem Prüfbestand zugeordnet. Vorhandene Unterlagen und Kennzeichnungen wurden mit dem Anlagenbestand abgeglichen; gleichzeitig wurden Prüfreihenfolge, Zugänglichkeit und betriebliche Zeitfenster abgestimmt.

  2. 2
    Tag 2–4 — Prüfungen in abgestimmten Betriebszuständen

    41 Unterverteilungen wurden innerhalb der abgestimmten Betriebsbedingungen bearbeitet. Dabei wurden die Prüfschritte durchgeführt, die für den jeweiligen Anlagenbereich und Betriebszustand vorgesehen und möglich waren.

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    Tag 5 — Geplante Wochenend-Betriebsruhe

    Für 17 Unterverteilungen wurden die erforderlichen Prüfschritte in ein vorbereitetes Wochenendfenster gelegt. Dadurch standen geeignete Abschaltmöglichkeiten zur Verfügung, ohne die laufenden Produktionsschichten ungeplant zu unterbrechen.

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    Tag 6–7 — Befunde bearbeiten und nachverfolgen

    Kleinere elektrische beziehungsweise dokumentarische Befunde wurden, soweit im vereinbarten Umfang möglich, direkt bearbeitet. Weitergehende Punkte wurden dem jeweiligen Prüfobjekt zugeordnet, bewertet und für die Folgeumsetzung dokumentiert.

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    Tag 8–9 — Prüfdokumentation und Übergabe

    Zum Abschluss wurden die Ergebnisse dem geprüften Anlagenbestand zugeordnet und die vollständige Prüfdokumentation zum vereinbarten Prüfauftrag erstellt und übergeben.

04 — Befunde

22 dokumentierte Befunde – ohne künstliche Prozentquote

Bei den 58 Unterverteilungen wurden insgesamt 22 Befunde dokumentiert. Eine prozentuale „Mängelquote“ geben wir für diesen Fall bewusst nicht an: Mehrere Befunde können derselben Verteilung oder unterschiedlichen Prüfpunkten zugeordnet sein. Aussagekräftiger ist deshalb die konkrete Aufschlüsselung.

Auffälligkeit mit Heißpunkt-Verdacht

×1

An einer Klemmstelle wurde eine thermisch auffällige Situation festgestellt. Der Punkt wurde gekennzeichnet und für die weitere Bearbeitung beziehungsweise eine ergänzende thermografische Kontrolle dokumentiert.

Auffällige RCD-/FI-Funktion

×2

Bei zwei Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen ergaben sich Auffälligkeiten bei der Funktionsprüfung. Die betroffenen Punkte wurden für Austausch beziehungsweise Folgeprüfung dokumentiert.

Auffällige Isolationsmesswerte

×3

Bei drei Stromkreisen wurden auffällige Isolationsmesswerte festgestellt. Die Werte und die daraus abgeleitete Wiedervorlage wurden in der Prüfdokumentation festgehalten.

Lockere Klemmstellen

×7

Sieben lockere Klemmstellen wurden festgestellt. Soweit dies im vereinbarten Arbeitsumfang unmittelbar möglich war, wurden die betreffenden Verbindungen bearbeitet und anschließend dokumentiert.

Fehlende oder unleserliche Kennzeichnungen

×5

Bei fünf Verteilungen fehlten Kennzeichnungen beziehungsweise waren vorhandene Kennzeichnungen nicht mehr eindeutig lesbar. Die Punkte wurden dem jeweiligen Prüfobjekt zugeordnet und dokumentiert.

Unvollständige Stromkreis-Beschriftung

×4

Bei vier Verteilungen war die Beschriftung von Stromkreisen unvollständig. Die Abweichungen wurden erfasst und für die Aktualisierung der Anlagendokumentation festgehalten.

Wenn sich Wärmeauffälligkeiten zeigen

Thermografie kann bei elektrischen Anlagen eine sinnvolle ergänzende Zustandsbewertung sein, insbesondere um thermische Auffälligkeiten unter Last sichtbar zu machen. Sie ersetzt die elektrische Wiederholungsprüfung nicht, kann aber zusätzliche Hinweise für Instandhaltung und weitere Untersuchungen liefern.

Thermografie an Industrieschaltschränken — festgestellte Punkte mit Wiedervorlage lassen sich anschließend im Rahmen der Schaltschrankwartung im Industriebestand weiterbearbeiten.

05 — Dokumentation

Was der Betrieb nach der Prüfung in der Hand hatte

Mit dem letzten Prüftag endete nicht nur die Arbeit vor Ort. Der Kunde erhielt die vollständige Prüfdokumentation zum vereinbarten Anlagenbestand.

Die Ergebnisse wurden den 58 Unterverteilungen beziehungsweise den zugehörigen Prüfbereichen nachvollziehbar zugeordnet. Dokumentiert wurden der Prüfgegenstand und Prüfumfang, die durchgeführten Prüfschritte, die für die Bewertung relevanten Messwerte und Ergebnisse sowie festgestellte Befunde und daraus abgeleitete Folgemaßnahmen.

Damit kann die Instandhaltung später nachvollziehen, welcher Anlagenbereich geprüft wurde, welches Ergebnis vorlag und an welchen Punkten weiterer Handlungsbedarf bestand.

  • eindeutige Zuordnung zum Prüfobjekt
  • dokumentierter Prüfumfang
  • durchgeführte Prüfungen
  • relevante Messwerte
  • fachliche Bewertung und Ergebnis
  • festgestellte Befunde
  • offene beziehungsweise bereits erledigte Maßnahmen
  • nachvollziehbare Übergabe an den Betreiber
Heute zusätzlich verfügbar

Für größere Bestände: das EMB-Prüfportal

Bei dem hier beschriebenen Projekt wurde unser Prüfportal noch nicht eingesetzt. Für vergleichbare größere Anlagenbestände bietet EMB heute zusätzlich ein eigenes digitales Prüfportal an.

Gerade bei 58 Unterverteilungen endet die organisatorische Arbeit nicht mit einem PDF. In den Monaten und Jahren danach müssen Prüfstatus, nächste Fälligkeiten, Nachweise und offene Mängel wiedergefunden und weiterverfolgt werden. Genau dafür haben wir das Portal entwickelt.

Vorführansicht des EMB-Prüfportals: Übersicht mit Prüfobjekten, Fälligkeiten und Mängeln
Vorführansicht des EMB-Prüfportals mit erfundenen Demodaten – keine Daten aus dem beschriebenen Kundenprojekt.

Prüfbestand strukturiert

Prüfobjekte lassen sich Standort, Gebäude und Bereich zuordnen. Damit bleibt auch bei vielen Unterverteilungen oder mehreren Betriebsstätten nachvollziehbar, was wo geprüft wird.

Fälligkeiten im Blick

Letzte Prüfung, Ergebnis und nächster Termin stehen am Prüfobjekt. Die Übersicht zeigt überfällige sowie in 30, 60 oder 90 Tagen anstehende Prüfungen.

PDF-Nachweise und Historie

Prüfnachweise können am Prüfobjekt aufgerufen und als PDF bereitgestellt werden. Die Prüfhistorie bleibt erhalten; mehrere Nachweise lassen sich als Paket exportieren.

Mängel weiterverfolgen

Mängel können mit Priorität, Status, Frist und Verantwortlichem geführt werden. Fotos, Maßnahmen und Kommentare lassen sich direkt dem Vorgang zuordnen.

Mehrere Standorte und Rollen

Unternehmen mit mehreren Standorten können ihre Prüfbestände gemeinsam verwalten. Rollen und Standortrechte begrenzen, welche Bereiche ein Benutzer sieht; die Anmeldung unterstützt Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Export für eigene Prozesse

Bestände und Auswertungen lassen sich als CSV oder Excel exportieren – etwa für Instandhaltung, interne Auswertungen oder die Weiterverarbeitung in bestehenden Prozessen.

Das Portal ist ein Zusatzangebot und keine Voraussetzung für eine DGUV-V3-Prüfung. Für kleinere Bestände kann eine klassische Prüfdokumentation vollkommen ausreichend sein.

06 — Ergebnis

58 Unterverteilungen dokumentiert – ohne ungeplanten Produktionsausfall

Nach neun Werktagen war der vereinbarte Prüfbestand bearbeitet und die vollständige Dokumentation übergeben.

Für den Betrieb war dabei vor allem die Organisation entscheidend: 41 Unterverteilungen konnten in abgestimmten Betriebszuständen während des Schichtbetriebs bearbeitet werden; 17 Verteilungen wurden für erforderliche Prüfschritte in ein geplantes Wochenendfenster gelegt.

Dadurch entstand während der laufenden Produktionsschichten kein ungeplanter Produktionsausfall.

Die 22 festgestellten Befunde wurden dem jeweiligen Prüfbereich zugeordnet und dokumentiert. Kleinere Punkte konnten teilweise unmittelbar bearbeitet werden; weitergehende Maßnahmen blieben für die anschließende Instandhaltung nachvollziehbar.

Und wann ist die nächste Prüfung fällig?

Die nächste Prüffrist lässt sich nicht allein aus dieser Fallstudie auf andere Anlagen übertragen. Sie richtet sich unter anderem nach Prüfobjekt, Betriebsbedingungen, Gefährdungsbeurteilung und den Ergebnissen früherer Prüfungen.

Prüffristen für ortsfeste elektrische Anlagen

Aus der Praxis

Was vergleichbare Produktionsbetriebe aus diesem Projekt mitnehmen können

  1. Große Anlagenbestände lassen sich besser prüfen, wenn Verteilungen, Stromkreise und Betriebszustände vor dem ersten Messtag sauber eingeordnet sind.
  2. „Prüfung im laufenden Betrieb“ ist keine pauschale Zusage. Entscheidend ist, welche Prüfschritte unter den jeweiligen Bedingungen möglich sind und welche ein geeignetes Abschaltfenster benötigen.
  3. Betriebsruhe muss nicht zwangsläufig einen zusätzlichen Produktionsstillstand bedeuten. In diesem Projekt konnten die erforderlichen Abschaltungen in ein ohnehin geplantes Wochenendfenster gelegt werden.
  4. Die Dokumentation ist Teil der Prüfung: Befunde, relevante Ergebnisse und offene Maßnahmen müssen später dem jeweiligen Prüfobjekt nachvollziehbar zugeordnet werden können.
Fachliche Grundlagen

Regelwerke und Quellen dieser Einordnung

Die Fallstudie beschreibt einen konkreten EMB-Auftrag. Für die allgemeine fachliche Einordnung verweisen wir auf die zugrunde liegenden Regelwerke und offiziellen Quellen.

Fachlich geprüft von Max Burkhardt

Geschäftsführer · Elektro-Montagen Burkhardt GmbH

Praxisbericht aus einem EMB-Prüfprojekt · veröffentlicht April 2026 · fachlich überarbeitet September 2026

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Sie betreiben mehrere Haupt- oder Unterverteilungen, arbeiten im Schichtbetrieb oder müssen Prüfungen mit Produktionszeiten und Abschaltfenstern abstimmen?

Für eine erste Einordnung genügen uns die ungefähre Anzahl der Verteilungen, der Prüfstandort und eine kurze Beschreibung der betrieblichen Rahmenbedingungen. Den konkreten Prüfumfang, mögliche Zeitfenster und den gewünschten Dokumentationsumfang stimmen wir anschließend gemeinsam ab.

Bei größeren Beständen können wir außerdem prüfen, ob unser digitales Prüfportal für Ihre Organisation sinnvoll ist.

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  • eigene Elektrofachkräfte
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