Projekt auf einen Blick
- Objekt
- Einfamilienhaus, 2017 gebaut
- Ort
- Regensburg-Burgweinting
- Bestand
- 9,8 kWp PV-Anlage, 2019
- Nachrüstung
- 10 kWh Batteriespeicher + Notstrom
- Projektdauer
- 3 Werktage (inkl. Netzanmeldung)
- Eigenverbrauch vorher
- ca. 28 %
- Eigenverbrauch nachher
- ca. 74 %
- Amortisation (prognostiziert)
- 8–10 Jahre
Hinweis: Kundendaten anonymisiert, alle technischen Werte entsprechen dem realen Projektumfang.
Die Ausgangslage
Auf dem nach Süden ausgerichteten Satteldach waren 32 Module mit insgesamt 9,8 kWp installiert, dazu ein reiner netzparalleler Wechselrichter ohne Speicherschnittstelle. Mit einem Jahresertrag von rund 9.200 kWh eine gute Anlage — nur dass die Familie mit zwei Kindern und Homeoffice diese Energie zum Großteil tagsüber produzierte, aber nicht brauchte. Der Eigenverbrauch lag bei etwa 28 %. Alles andere floss für die damals ausgehandelte Einspeisevergütung ins Netz, während abends und morgens Netzstrom für rund 35 Cent/kWh bezogen wurde. Wirtschaftlich unbefriedigend.
Ausschlaggebend für den Auftrag war aber der Stromausfall im Januar. Eine abgerissene Freileitung nach einem Sturm sorgte für über vier Stunden ohne Versorgung. Der Gasbrennwertkessel im Keller blieb aus — nicht wegen des Gases, sondern weil die elektrisch betriebene Umwälzpumpe und die Regelung keinen Strom hatten. Die PV-Anlage auf dem Dach: zwar sonnenbeschienen, aber ebenfalls aus. Denn reine netzparallele Wechselrichter schalten bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab.
Beratung und Planung
Bei einem ersten Vor-Ort-Termin prüften wir drei Punkte: Zustand der Bestandsanlage, Platzverhältnisse im Hauswirtschaftsraum und elektrische Infrastruktur. Der alte Wechselrichter war nicht inselfähig — ein direkter Speicheranschluss also ausgeschlossen. Wir schlugen zwei Optionen vor:
- Option A (AC-gekoppelt): Bestandsanlage bleibt, zusätzlicher Batteriewechselrichter mit Speicher. Günstiger, aber zwei getrennte Systeme — weniger elegant, geringerer Wirkungsgrad.
- Option B (Hybrid-Tausch): Alter Wechselrichter raus, Fronius GEN24 Hybrid rein, dazu BYD Battery-Box als Speicher. Höhere Anfangsinvestition, dafür ein integriertes System mit besserem Wirkungsgrad und einer echten Full-Backup-Notstromfunktion.
Familie M. entschied sich für Option B. Das Argument: Der alte Wechselrichter war neun Jahre alt und würde ohnehin in absehbarer Zeit ersetzt werden müssen. Jetzt auf ein aktuelles, inselfähiges System zu gehen, war vorausschauender als doppelte Hardware zu verbauen.
„Wir wollen nicht noch ein Gerät an der Wand, sondern eine Lösung, die in Zukunft funktioniert — auch wenn mal zwei, drei Stunden kein Strom da ist." — Sinngemäß aus dem ersten Beratungsgespräch
Die gewählte Technik
Dreiphasig, inselfähig, 10 kW AC-Ausgangsleistung, Full-Backup-Funktion über Netzumschaltbox.
10,2 kWh nutzbar, LiFePO4 (eisenbasiert), wandmontiert im Hauswirtschaftsraum, IP55.
Automatische allpolige Umschaltung bei Netzausfall. Umschaltzeit bei GEN24 Full Backup: 20–30 Sekunden.
Kühlgeräte, Heizungsregelung, Licht EG/OG, IT-Arbeitsplatz, ausgewählte Steckdosen. Neu aufgeteilt.
Umsetzung in drei Tagen
Tag 1 — Demontage und Vorbereitung
Am Montagmorgen um halb acht waren wir vor Ort. Nach der Abmeldung des alten Wechselrichters beim Netzbetreiber und der AC-seitigen Freischaltung haben wir den Altgeräte demontiert. Die DC-Leitungen der PV-Strings waren in gutem Zustand — sauber verlegt und korrekt gekennzeichnet. Das erspart Zeit. Parallel wurde der Hauswirtschaftsraum vorbereitet: Wandmontage für den Speicher, Kabelwege zum Zählerschrank. Alte Montagebohrungen abgespachtelt — Detail, das dem Kunden nachher auffällt.
Tag 2 — Einbau und Verkabelung
Am Dienstag wurden Hybrid-Wechselrichter und Batteriespeicher montiert. Der kritische Teil war die neue Aufteilung der Unterverteilung. Im Bestand hing alles an einem einzigen Verteiler — bei einem Netzausfall hätte der Wechselrichter versucht, das komplette Haus zu versorgen, was schnell zu Überlast geführt hätte. Also: neue Backup-Unterverteilung mit priorisierten Stromkreisen. Was läuft, wenn der Strom weg ist: Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Heizungsregelung, Router, drei Steckdosenkreise, Licht im Erd- und Obergeschoss. Was nicht läuft: Induktionsherd, Waschmaschine, Trockner, Garage, Außensteckdosen. Die 6 kW Inselleistung des GEN24 reichen dafür aus.
Tag 3 — Inbetriebnahme und Netzanmeldung
Am Mittwoch dann die Inbetriebnahme: Erst BYD-Batterie aktivieren, dann Wechselrichter hochfahren, dann Netzparametrierung gemäß VDE-AR-N 4105 prüfen. Die Anmeldung beim Netzbetreiber hatten wir bereits parallel zum Materialeinkauf eingereicht, sodass die Inbetriebnahme-Genehmigung rechtzeitig vorlag. Abschließend ein bewusster Notstrom-Test: Netzspannung an der Umschaltbox manuell getrennt. Nach 22 Sekunden stand das Backup-Netz, der Kühlschrank zuckte einmal kurz — und lief weiter. Die Heizungsregelung loggte den Stromausfall nicht einmal.
Ergebnisse nach sechs Monaten
Sechs Monate nach Inbetriebnahme haben wir beim Kunden nachgefragt, wie sich das System bewährt hat. Die Zahlen aus dem Monitoring:
- Eigenverbrauchsquote: von rund 28 % auf 74 % gestiegen.
- Autarkie (rechnerisch): etwa 68 % des Gesamtverbrauchs aus eigener PV + Speicher gedeckt.
- Netzbezug: von ca. 4.100 kWh/Jahr auf prognostizierte 1.750 kWh/Jahr gesunken.
- Notstrom-Einsätze: zwei echte Netzausfälle (einmal 40 Minuten, einmal 15 Minuten). In beiden Fällen übernahm das System automatisch, die Familie bemerkte den Ausfall nur am Monitoring-Portal.
- Amortisation: bei aktuellen Strompreisen prognostiziert nach 8–10 Jahren — unabhängig vom Komfort-Gewinn durch Notstromversorgung.
Technisch verhält sich das System unauffällig. Keine Fehlermeldungen, keine Servicefälle. Die Full-Backup-Umschaltzeit von rund 20 Sekunden ist für einen Haushalt mit moderner IT völlig ausreichend: Router fahren neu hoch, aber Kühlgeräte, Heizung und Beleuchtung bleiben verfügbar.
Fazit: Wann lohnt eine Speichernachrüstung?
Nicht jede ältere PV-Anlage ist ein Kandidat. Entscheidend sind drei Punkte: Ist der alte Wechselrichter ohnehin ersatzreif? Ist der jährliche Eigenverbrauch deutlich unter der Erzeugung? Wie wichtig ist Versorgungssicherheit? Wer alle drei Punkte mit Ja beantwortet, für den rechnet sich eine Nachrüstung — sowohl finanziell als auch im Hinblick auf Unabhängigkeit. Wer nur einen Punkt abhaken kann, sollte genau durchrechnen.
In diesem konkreten Fall war die Entscheidung klar: Die Familie hatte mit Homeoffice, Heizungsregelung und Kühlgeräten eine typische Lastkurve, die Speicher und Notstrom gleichzeitig rechtfertigt. Dazu kam der reife Bestandswechselrichter. Drei Werktage Arbeit, ein Tag Papierkram, und das Haus ist heute deutlich unabhängiger als vorher — ohne die bestehende Dachanlage anzurühren.
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